25. Tag von Bagnolo San Vito nach Viadana
Gestern Abend, gewaltige Wolkentürme! Ob sich da Gewitter aufbauen?
Am Morgen ist es wolkenverhangen und diesig. Aber immer noch warm, waschküchenwarm.
Die 4 Damen von der Farm, haben mit viel Liebe und viel Selbstgemachten das Frühstück vorbereitet.
Da ich vom extrem leckeren Abendessen den Nachtisch nicht geschafft habe, bekomme ich ihn zum Frühstück! G´zahlt isch g´zahlt!!
Und er passt auch lecker zum Frühstück, eine Art Pflaumenkompott mit Schokolade.
Die Übernachtungspreise sind im Agritourismo ja sehr moderat. Das Geschäftsmodell funktioniert aber richtig gut, wenn man Essen anbietet. Da niemand mehr Lust hat wegzufahren, lässt man sich lecker bekochen - und zwar mit allen "Platten", die die italienische Küche zu bieten hat. Das ist natürlich was anderes als die ewige Pizza, aber hat auch seinen Preis.
Und vor allem, so viel kann man gar nicht radeln, um die Kalorien abzuarbeiten.
Hier in Bagnolo S.Vito sagen sich nicht Fuchs und Hase "Gute Nacht" sondern
Fasan
und Hasen "Guten Morgen"
Die Tiere waren überhaupt nicht in Eile und ließen sich von dem roten Mann am Wegesrand nicht beeindrucken.
Und das war schon ein Highlight des Tages. Wieder heiß, wieder entspannt, wieder viel Zeit zum Sinnen - oder Un-Sinnen oder Abschalten.
Aber dann fallen wieder seltsame Dinge am Wegesrand auf. Heute war ein Tag der "vollen Kirchtürme" - es scheint fast so, als wolle ein Dorf das andere übertrumpfen. Da werden so viele Glocken wie nur geht in den Campanille gehängt und was nicht reinpasst muss halt drüber raus hängen. Sah immer wieder ulkig aus! Zeigt aber auch, dass an diesem Flussabschnitt mit wohlhabenderen Gemeinden zu tun hat. Die Felder sind richtig groß und die Höfe sind Gutshöfe!
Das merkte ich u.a. auch daran, dass heute zum ersten Mal große Traktoren auf meinem Damm unterwegs waren, teils mit Gülletanks, teils mit Wassertanks. Da blieb nicht viel Platz für den Radfahrer.
Diese Art von großbetrieblicher Kälbermast hat mir ehrlich gesagt gar nicht gefallen. Das sah nicht so aus, als hätten sie Boxen zum Auslüften in die Sonne gestellt!!
Im hinteren Bereich habe ich ganz junge Kälbchen gesehen. Das kann doch nicht gut sein. Entweder stehen sie in der prallen Sonne oder sie müssen in die Boxen, wo es noch viel heißer sein muss!! Da vergeht einem wirklich langsam der Appetit.
Wieder nette kleine Dörfer mit netten kleinen Cafés, ihr kennt das inzwischen. Hier in Borgaforte scheint eine Hochburg der europafreundlichen Menschen zu sein. Mindestens 3 Europafahnen habe ich gezählt.
Und dann eine absolute Neuheit! Das erste Boot überhaupt auf dem Fluss unterwegs. Es müssen Fischer gewesen sein.
Auch hier ist neben den gigantischen Maisfeldern noch Platz für Melonen. Dazu braucht es aber genügend Erntehelfer - und dafür sind die "Ausländer" dann doch ganz nützlich.
Noch denke ich mir nichts dabei, dass der Fluss inzwischen etwas mickrig geworden ist. Und bei der Brücke denke ich
"Das ist aber mal eine nette Brücke, schade, dass ich nicht auf die andere Seite muss!"
Doch dann kreuzt mein Damm ein Sträßchen. Ein Schild sagt, Viadana runter zur Brücke. Das glaube ich jetzt nicht. Ich bleibe heute doch den ganzen Tag auf meiner Seite des Flusses. Aber geradeaus geht es - nach Mantua - auf dem Damm!!
Was ist hier los. Ein Blick auf die Karte löst das Rätsel. Das war gar nicht mehr der Po, sondern der Oglio, an dem ich die letzten paar Kilometer entlang gefahren bin. Der Radweg geradeaus führt weg vom Po!!
Also doch über die Brücke!
Eine Holzbalken/Pontonbrücke. Das ist ein Riesenlärm, wenn die Autos drüber fahren.
Das Schild am Ende der Brücke sagt 10% Steigung. Auf beiden Seiten. Keine Angst, ich bin vorher schon vom Rad gestiegen. Die Abfahrt auf den abgeschliffenen Holzplanken war schon geschoben eine Herausforderung.
Dieses Sträßchen ist ordentlich frequentiert. Bis ich wieder an meinem Po-Damm bin, rauschen ganz schön Lastwagen an mir vorbei. Viehtransporter, Milchlaster, Futtermittel. Meine Güte liefert ihr nur mittwochs aus?
Aber bei Cavallara darf ich nach etwa 4 km Landstraße wieder hoch auf meinen Damm!
Die letzten Kilometer in der Mittagssonne ziehen sich zäh dahin. Viadana döst in der Mittagshitze. In meinem Hotel "Europa" sind sie noch beim pranzo. Obwohl es noch nicht ganz 14:00 Uhr ist, darf ich schon auf mein Zimmer.
Und jetzt erst einmal eine schöne siesta!
Die Stadterkundung nach der Siesta ist schnell passiert. In schönen schattenspendenden Passagen ist einfach nichts los! Und außer ein paar schönen Bildmotiven? Ist nur die Eisdiele erwähnenswert!
Die Stadterkundung nach der Siesta ist schnell passiert. In schönen schattenspendenden Passagen ist einfach nichts los! Und außer ein paar schönen Bildmotiven? Ist nur die Eisdiele erwähnenswert!
Aber das Hotel Europa bietet Abendessen an. Der Tag ist gerettet!
Auf die nächsten Etappen bin ich gespannt. Wie es scheint, war´s das mit dem Thermo-Podeln auf dem Damm! Von hier an scheint sich der Po ganz schön zu verfransen und die Radwegangebote enden immer wieder auf Autostraßen, um über Flussarme, Nebenflüsse, Kanäle zu kommen.
Wir werden sehen. Ich hoffe ich kann Euch Morgen Abend aus Cremona berichten, wo ich mir einen ganzen Tag gönnen möchte, denn Cremona kenne ich noch nicht.
Schaut doch Morgen wieder rein, dann werdet Ihr erfahren, wie es mir erging!!
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