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35.Tag: Von Attinghausen nach Bremgarten
die Karte
Am Ende des Tages wird Alles gut!!
Bremgarten - eine Entdeckung, und gar nicht so weit von uns weg !
Doch von Anfang an:
Heute Morgen in Allerherrgottsfrühe wache ich auf, da duscht jemand ununterbrochen im Gemeinschaftsbad - rücksichtslos!! Ich schlafe wieder ein; ich wache wieder auf. Der duscht ja immer noch!!
Bis mir langsam klar wird, hier duscht niemand. Es regnet. Besser gesagt es gießt in Strömen.
Ich ziehe die Decke über den Kopf. Doch irgendwann muss ich mich den Tatsachen stellen.
Ich bin in einer anderen Landschaft.
Die wunderschönen Berge - einfach weg. Wolken bis ins Tal. Und es regnet. Jetzt zwar nur noch "ergiebig" - aber auf das Rad muss ich trotzdem.
Bei der Wolkenlage macht es wenig Sinn bis 10:45 zu warten, um mit dem Boot durch den Nebel zu schippern. Da kann ich gleich in den Zug steigen und komme früher weg, was angesichts des Wetters angebracht ist- und natürlich, weil die Straße zwischen Flüelen und Brunnen gesperrt ist.
Doch mein Zug nach Brunnen ist gerade abgefahren. Die Züge nach Zug gehen stündlich. Da schaue ich eben den Wolken zu was sie so treiben. Das ist hoch dramatisch!
Im Zug treffe ich einen jungen Vater, mit Kinderwagen, der mit seinem SUV Kinderwagen auch vor dem Abteil bleiben muss, . Wir kommen ins Gespräch. Er ist schwer genervt, denn er arbeitet in Luzern und nimmt eigentlich die Uferstraße Richtung Brunnen zur Arbeit. Jetzt braucht er 3x so lange auf der anderen Uferseite. Vor 14 Tagen ist ein 15 Tonnen schwerer Stein runter gekommen. 2 andere sind noch oben. Wenn sich der 34 Tonnen schwere Stein löst, dann reißt er wahrscheinlich die ganze Ufertrasse mit. Um das zu verhindern, lassen sie Sprengmeister vom Hubschrauber aus runter; anders kommt man nicht an die Stelle, um die Sprengungen vorzubereiten. Das wird aber mindestens 2 Monate dauern. Anscheinend waren sich die Experten nicht sicher, ob Steine noch einigermaßen stabil sind. "Darum haben sie einen dieser riesigen russischen Hubschrauber bestellt, der, ich weiß nicht wie viel Kubikmeter Wasser auf die Steine abgeworfen hat". Erst als klar war, das die Steine noch halten, durften die Sprengmeister mit den Bohrungen anfangen.
Bei solch spannenden Geschichten, sind die 20 Minuten Fahrt nach Brunnen wie im Fluge vergangen.
In Brunnen regnet es natürlich immer noch. Inzwischen ist es ein sehr heftiger "Sprühregen".
Volle Montur wäre zu viel und zu lästig. Also Poncho, und Galoschen. Solange die Schuhe trocken bleiben ist alles gut.
Und sie bleiben trocken.
Schade, bei schönem Wetter wäre das heute bestimmt wieder eine spektakuläre Etappe geworden. Das wäre der Vierwaldstätter See an einem Regentag.
Aber es ist auch so spannend genug.
Spätestens dann, als klar wird, dass der Radweg nicht die ganze Zeit in Ufernähe bleibt, sondern eine mittlere Bergetappe ansteht. Ich kann ja nicht am Vierwaldstätter See bleiben. Ich muss hinüber zum Zuger See, nach Arth. Unterhalb des Rigi vorbei.
Wildromantisch, mit der Betonung auf wild.
Aber auch schön.
Vom Rigi keine Spur.
Die Rigibahn wartet heute vergeblich auf Touristen.
Aber auch Arth am See entwickelt bei Sonnenschein sicher erheblich größeren Charme.
Obwohl
Den ganzen Tag bis etwa 1:00 hat es geregnet. Ich weiß nicht warum, es strengt viel mehr an, im Regen zu fahren, obwohl man viel langsamer ist.
Wie schön, endlich den Poncho auszuziehen und wieder die frische Luft zu spüren!
Die Damen vom Mofa-Klub Zug lassen sich durch das schlechte Wetter auch nicht abschrecken. Die sind gut drauf.
Hier endet der Zuger See. Jetzt schau ich mal, dass ich wieder meine neue Freundin die Reuss finde. Eigentlich bin ich ja schon seit gestern in Göschenen an ihrer Seite, und bis Bremgarten möchte ich nicht von ihrer Seite weichen. Immerhin ist die Reuss der 4. größte Fluss der Schweiz. Morgen werde ich sie noch ein wenig begleiten, doch bevor sie in die Aare mündet biege ich rechts ab.
Es ist gar nicht so einfach, hier im Alpenvorland geschickte Radrouten zu finden. Hinter dieser Hügelkette ist wohl der Zürichsee. Um dort hin zu kommen, wäre eine ordentliche "Bergwertung" fällig.
Ich habe bei der Ankunft in Goldau für heute genug Bergpunkte gesammelt, - und das Reusstal ist ausgesprochen angenehm zu fahren. Wunderschöne kleine Sträßchen ohne Verkehr, sie verbinden eigentlich nur einzelne Höfe.
Es ist eine sehr fruchtbare Gegend.
Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen. Ich schwöre, auf 3 km gab es keinen einzigen Hof, der nicht in den letzten 3 Jahren mindestens 1x Nachwuchs bekommen hat. Da gratuliert man doch gerne! Der Dorfschulmeister in Rottenschwil freut sich auch. Seine Stelle ist gesichert.
Im Blickgefecht mit dieser Kollegin habe ich haushoch verloren. Nicht einmal hat sie mit der Wimper gezuckt.
Überhaupt haben mir die Höfe, hier im Reusstal gut gefallen. Erst im Nachhinein fällt mir auf, dass es hier, nicht so penetrant nach Gülle gestunken hat, wie heute den ganzen Tag. Klar, so einen Regentag muss man ausnutzen!!
Den ganzen Tag habe ich die Reuss nicht gesehen. Hi!
Vor Bremgarten beginnt die Reuss wilde Schleifen zu machen. Das bedeutet für den Radfahrer, raus aus dem Tal und aufi!! Zweimal musste ich heute schieben, einmal bei der "hohlen Gasse" und einmal hier. Das ist das ehemalige Kapuzinerkloster Bremgarten, heute ist es eine "heilpädagogische Schule für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen".
Bremgarten ist, ich sagte es schon, für mich die große Überraschung des Tages. Der Ort ist von 3 Seiten von der Reuss umgeben.
Bremgarten war längere Zeit Habsburgisch und ein Verwaltungssitz der Österreicher. Wichtige Einnahmequelle war der Brückenzoll
Dieses Wochenende ist Musikfest in Bremgarten, auf 2 Bühnen wechseln sich Schweizer Künstler und Bands ab. Es geht geruhsam zu. Vielleicht liegt es daran, dass zwischen 18:00 und 20:00 Uhr bei Stadtfesten gerne mal ein "Loch" ist. Die Nachmittagsgäste sind gegangen, und die Nachtschwärmer noch nicht eingetroffen. Ganz gut hat mir eine Poetry Slammerin und eine Singer/Songwriterin gefallen. Sehr poetisch, aber für ein Straßenfest sind Rampensau-Qualitäten von Vorteil, wenn man das Publikum bei der Stange halten will.
Die heutige Etappe war mit etwas über 60 km zwar nicht übertrieben lang, aber sie war nicht unanstrengend. "Saturday Night Fever" kommt bei Eurem Blogger heute nicht auf.
So schlendere ich gemütlich über die wunderschöne Holzbrücke zurück ins Hotel "Mamma" (!)
Auf der ganzen Tour gab es zwei Unterkünfte, bei denen ich mich vor der Ankunft gefragt habe, ob ich bei der Buchung nicht einen Fehler gemacht habe. Das eine war das Hotel "Enjoy" - das mir nicht ganz geheuer war, und hier das Hotel "Mamma". Beide Male waren meine Befürchtungen unbegründet.
Das "Hotel Mamma" entpuppt sich als eine "Osteria", die auf edel macht. Der Übernachtungspreis ist ok- und gegessen habe ich eh auf dem Marktstraßenfest. - Wenn ich nicht eine Flasche Wasser (für 8 Franken) mit auf das Zimmer genommen hätte, hätte es nicht zu meckern gegeben.
Doch halt! Fast hätte ich das spannendste des heutigen Abends vergessen.
Um die Holzbrücke herum gibt es eigentümliche Stromschnellen und Rampen. Wie diese, bei der von 2 Seiten Wasser in ein tiefer gelegenes Becken strömt. Wahrscheinlich hat das ganze mit der Nutzung der Wasserkraft durch das Elektrizitätswerk zu tun.
Dann sehe ich ein Boot, das sich behutsam dieser "Flussanomalie" nähert. Es wird klar, die möchten da mittenrein.
LEIDER habe ich den Bruchteil einer Sekunde zu früh abgedrückt. Was dann geschah ist spektakulär gewesen. Der Bug des Bootes taucht tief ein und schießt dann aber so was von gewaltig nach oben, dass ich fast die ganze Unterseite des Bootes sehen kann. Ich bin überzeugt, die 3 bleiben niemals im Boot sitzen.
Aber weit gefehlt. Alle Drei sitzen noch drin. Das sah vielleicht heftig aus!
Unterhalb der Brücke geht es noch einmal zur Sache. Aber Alles gut!
Ich weiß, Friederike, zu wärst sofort zur Landestelle gerast und hättest gefragt, ob du das nächste Mal mitfahren darfst!
Puh, heute Nacht werde ich gut schlafen. Morgen noch einmal in fremden Betten. Und dann, sí dios quiere, sollte ich eigentlich Montag in Engen einlaufen!!
Drückt mir die Daumen für die letzten beiden Etappen.
Bleibt mir gewogen- und schaut Morgen wieder vorbei.
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