17.Tag: Von Latisana nach Lido di Venezia



Es ist fast nicht zu glauben: wir sind tatsächlich in Venedig angekommen, haben schon "due birre" am Strand getrunken  und ich war im Meer: Badewannentemperatur, herrlich zum einfach nur in den kleinen Wellen rumliegen und ein bisschen paddeln.
Heute morgen fing die Reise gut an, wir sind auf den Zug und hatten ja schon gestern das Ticket bis nach S. Donà di Piave- Jesolo. Von da aus sind es noch ca 25 km bis nach Jesolo und nochmal ca. 20 km den Lido di Jesolo entlang nach Punta Sabbione, wo das Vaporetto nach Venedig abfährt. Das war angesichts der Hitze eine gute Entscheidung nicht die ganze Strecke zu fahren.
Aber dann kam im Zug so ein blöder arroganter Schaffner, der uns höflich und in immer gleicher Stimmlage erklärt, dass wir vergessen hätten das Ticket am Bahnsteig abzustempeln. Und das koste pro Person 30 €. Ich hab den beschimpft, gesagt, dass wir das nicht zahlen, was er denn von uns halte, dass man so doch nicht Gäste behandelt, woher soll man das denn wissen...usw. Und dieser  glattgesichtige Arrogantling zeigt uns auf der Rückseite des Tickets diesen Hinweis, auch auf englisch. Während ich noch wüte und schimpfe, holt Manne schon die Kreditkarte raus und versucht mich zu beruhigen. Und das Schlimmste war, dass dieser junge Kerl kein einziges Mal die Contenance verlor, da bringen die denen auch noch Konfliktvermeidungsstrategien bei!
Meine Empörung hat mich die dann die ersten 10 Kilometer ganz vergessen lassen, dass es schon gnadenlos heiß war.
Die Fahrt über den Lido habe ich mir entlang des Meeres vorgestellt, vielleicht auch mal kurz reinspringen und abkühlen, aber der Radweg führte uns an der Innenseite des Lido entlang. 
Eine wundervolle Sumpf-und Deltalandschaft, und häufig ein sehr guter Radweg:



Wir sind teilweise auf dem Radweg München- Venedig gefahren. Manchmal aber auch auf fiesen kleinen Straßen, an den die Autos haarscharf an uns vorbeigerast sind. Da flippt der Manne dann aus und fuchtelt dem Autofahrer seinen Stinkefinger hinterher.
Es sind praktisch keine Fernradler mehr unterwegs und manchmal trifft man ein paar Touristen auf Leihfahrrädern, die die Gegend erkunden- und dann mal ein Foto von uns machen.  Oh Mann, wir sehen ganz schön erledigt aus. 41 Grad in der Sonne, und wir sind praktisch immer in der Sonne.


Aber hier sind wir schon auf dem Vaporetto, das uns nach Lido di Venezia bringt.

Juhu wir haben es geschafft: von Engen nach Venedig mit dem Rad! Alles selber rauf-und runtergestrampelt!
Es war eine wunderschöne Radreise und sehr abwechlungsreich: diese Allgäuer Hügel, Dauerregen im Salzburger Land, der Tauern und dann die Julischen Alpen, diese Bergabfahrt und jetzt Venedig, das ist ein würdiger Abschluß. So spektakulär hatten wir es noch nie. 
Super Radreiseveranstalter! 5 Sterne für das Gesamtpaket!
 Und jetzt wird erstmal Venezia und die Bienale angeschaut.


Und jetzt ich:



Sieht doch idyllisch aus, der Agritourismo  "zu den 2 Pappeln". War wirklich sehr naturnah das Ganze. Gestern Abend habe ich noch kurz aus dem Fenster geschaut, mich mit den Händen auf dem Fensterbrett abgestützt, und dabei in ein Wespennest unter dem Fensterbrett gefasst. Da sträubten sich die Nackenhaare. Aber zum Glück bin ich mit 5 leichten Stichen davongekommen, die auch relativ schnell wieder abgeklungen sind. Schnaken gab es ohne Ende, so dass wir die Fenster zulassen mussten. Es gab zwar eine Klimaanlage, aber die ließ sich nicht regulieren. Die Optionen waren: ersticken, erfrieren oder gestochen werden. Wir haben uns zwischen Option 1 und 2 abgewechselt.


Bei der Planung der heutigen Etappe habe ich mich vom Streckenprofil verleiten lassen. Topfeben. Da sollten 70 km locker machbar sein. 70 km bei 40°! Da war es die bessere Wahl, wie Friederike schon geschrieben hat, 3 Stationen mit dem Zug zu fahren. Es sind trotzdem fast 50 km geworden. Es fehlen nun noch knapp 20 Kilometer, dass Friederike die 1.000 km voll macht. Da schlägt sie doch - kaum, dass sich ihre Gesichtsfarbe wieder normalisiert hat- vor, dass wir die nächsten Tage einmal den Lido rauf und runter rutschen! Nichts da, mit mir nicht! Bis Samstag steige ich nicht aufs Fahrrad!


Was gibt es sonst noch zu berichten? Für mich überraschend war, dass wir praktisch den ganzen Tag in "ländlicher Idylle", in Sumpflandschaften, durch Auenwälder, durch Felder gefahren sind, wissend, dass nur wenige Kilometer (wenige Hundert Meter?) der Touristenbär steppt. Unglaublich! Hier war einfach nichts los. Und zwar bis zum Vaporetohafen Sabbione. 


Das ist der Kreisverkehr im Ort Caballito, - wie ausgestorben!



Unsere Unterkunft für die nächsten Tage liegt in einer Nebenstraße, am Kanal. Sehr angenehm! Sehr gediegen! ein würdiger Abschluss/Zwischenstopp zum genießen und zum Erholen.

Genießen 1:



Baden! Mal sehen, ob ich Morgen den Schritt ins brühwarme Nass wage!

Genießen 2:


Mit meinem "geschliffenen" Italienisch bestelle ich "una birra grande", weil es heiß war heute, und ich Durst hatte. Da bekomme ich ein Maß, wie es im Hofbräuhaus nicht größer sein kann. Kaum, dass ich es mit einer Hand zu stemmen vermochte.

Genießen 3:


Ich bin zwar entschiedener Gegner von Essensfotos (dafür sollten keine Gletscher schmelzen müssen!!) Aber dieses Gericht war so köstlich - und so ausgesprochen hässlich anzuschauen, dass ich es Euch nicht vorenthalten wollte. Sepia, alla Veneziana, in der eigenen Tinte! Super! Meine kulinarischen Höhepunkte waren bisher: Ganz oben, die Fleischnudeln in Mallnitz, Stinko in Udine, und jetzt der Tintenfisch. 
Neben uns sass eine englische Familie, sehr blass, sehr rotblond. Die Mädchen haben sich geschüttelt und konnten kaum zusehen, wie  der Deutsche am Nebentisch die schwarze Pampe in sich hinein schaufelte.

Genießen 4:



Sonnenuntergang auf dem Lido di Venezia. Habe ich leider nicht gesehen! Ich war zu faul, noch einmal vor ans Wasser zu gehen - und habe etwas verpasst!! Aber Morgen, Friederike, versprochen, genießen wir den Sonnenuntergang zusammen.

Bis Morgen!!





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