22.Tag: Von Porto Viro nach Polesella
"..Der Po fließt still und schweiget und aus den Wiesen steiget, ...
(Altes italienisches Volkslied)
Alle Wetter-Apps sind sich einig. Heute regnet es, nicht immer und nicht überall, aber den ganzen Tag.
Und so war es auch.
Kaum bin ich aus dem Hotel, fängt es ganz harmlos zu nieseln an - harmlos nur am Anfang, dann zunehmend kräftiger. Dafür ist es nicht heiß.
Also raus mit dem Fahrrad-Cape. Den Rest der Regenausrüstung schenke ich mir - was ein Fehler ist.
Der Schnak ist, für seine Größe, ein unglaublich "intelligentes" Tier. Kaum hat er rausgekriegt, dass man unter grünen Regenzelten super bequem reisen kann, habe ich eine Reihe von Reisebegleitern, die meinen, sie bekämen nicht nur einen trockenen und kostenlosen "Lift"- sondern auch noch das Frühstück geliefert. Leider haben sie recht.
Wenn man überlegt, dass die Evolution diesen Mini-Viechern so viel Schlauheit als Überlebensplus gegönnt hat,- wie schlau müssten wir Menschen dann sein, auf unsere Größe hochgerechnet!
Die globale Erwärmung hätten wir schon längst 10x mit links gestoppt! Leider besteht zwischen Größe und Intelligenz kein kausaler Zusammenhang, das haben wir schon an den Dinos gesehen.
Es ist eigentlich heute nicht schlimm, im Regen zu radeln - abgesehen von den "blinden Passagieren".
Dass es hier am superflachen venezianischen Po noch Schleusen gibt, das hätte ich nicht gedacht!
Der Radweg begleitet heute den Po, den ganzen Tag "sinistra", - was mich erst irritiert, aber klar, man muss das flussabwärts sehen!
Erst jetzt im Hotel stelle ich fest, dass der offizielle Radweg auf der anderen Seite verläuft. Nicht schlimm, das Sträßchen auf dem Damm war durchgehend geteert, - wenn auch abschnittsweise in schlechtem Zustand. Zwar wird der Weg auch von Autos befahren, aber heute am Sonntag, kam alle halbe Stunde eines vorbei.
Nach 1 1/2 Stunden hört es auf zu regnen. Schön. Bei Papozze habe ich Lust auf einen Kaffee. Also runter vom Damm und eine Bar suchen. Kaum bin ich in der "Happy Bar" abgestiegen, fängt es wieder an zu regnen. Und zwar richtig!!
Glück gehabt. Also setzt sich der Buddha auf 2 Rädern unters Dach und schaut dem Treiben zu. Insgesamt sind etwa 10 ältere Herren am Kartenspielen. Rommee, wie es scheint. Komisch nur, dass sie an 3 Tischen sitzen und immer nur zu zweit spielen. Nach irgendeinem System, das ich nicht durchschaue, wechseln sie nach einer bestimmten Anzahl von Spielen den Gegner. Jeweils 4 stehen rum, und steigen dann nach einer gewissen Zeit wieder ein.
Eigentlich ist es doch Zeit für die Sonntagsmesse, oder? Frauen sind keine in der Bar. - Sind sie in der Kirche oder am Kochen? Gegenüber ist eine Frau am Putzen. Innerhalb von einer halben Stunde schütttelt sie den Putzlumpen 6 x aus, - da muss sich Staub angesammelt haben!!
Ich überlege: Ist das nicht Don Camillo und Pepone Land??
Die Straße in der die Bar - UND die Kirche liegen, heißt "Gramsci" !!
Antonio Gramsci - die Älteren unter uns werden es wissen, war einer der Gründer der kommunistischen Partei Italiens.
Hat hier in Papozze in grauer Vorzeit einmal ein "Pepone" einem "Don Camillo" einen Streich gespielt und die Straße nach Gramsci benannt, damit die Briefe an den Herrn Pfarrer an die Adresse:
"Herr Pfarrer, Papozze, Antonio Gramsci Straße 6" gehen mussten.
Gefällt mir der Gedanke. Im Hotel habe ich inzwischen nachgeschaut. Das Bescello der Don Camilo Filme liegt noch weiter den Fluss hinauf, etwa da, wo die Straße nach Mantua abbiegt. Guareschis Heimatort, der den Romanen zugrunde liegt, ist allerdings noch etwas weiter flussauf.
Macht nichts. Heute Morgen in Papozze war ich eindeutig in Don Camillo Land.
Auf der Plane der Bar hört sich der Regen besonders heftig an. Es regnet und regnet. Die 11:00 Banane genieße ich in der Bar, den 12:00 Uhr Café trinke ich in der Bar. Die Rommee spielenden Herren, müssen heim zum Mittagessen. Es kommen Jüngere, die sich noch schnell einen Aperitif gönnen. Aus einem werden 3, man kommt bei dem Regen schließlich nicht weg. Es wird lauter und lustiger in der Bar. Die Witze offensichtlich zotiger. Wenn das mal keinen Ärger zu Hause gibt.
Der einzige Radkollege in der Bar wagt den Aufbruch! Aus Angst?
Soll ich auch los? Es hat sich eingeregnet.
Na gut! Aber jetzt die volle Montur!
Gegen 12:15 fahre ich wieder auf den Damm. Knapp 2 Stunden war ich in der "Happy Bar", die zwar nicht besonders happy, aber sehr interessant war. Ein Café weniger wäre auch ok gewesen.
Also weiter "schwadeln" - meine Spezialdisziplin, die sich aus "Schwimmen" und "Radeln" zusammensetzt, aber nicht hintereinander, sondern gleichzeitig.
Gegen 1:00 hört der Regen auf! Sieh mal an! Geht doch!
In Crespino, der "Stadt der Hoffnung" - so das Ortsschild, bin ich zu früh dran. L`Unita feiert nächstes Wochenende ihr großes Fest.
und zwar "libre delle plastics" - sehr löblich liebe italienische Linke! Dass es Euch noch gibt, freut mich sehr, und dass Ihr lernfähig seid auch! Oder sind das nostalgische Reste aus Pepone-Land-Zeiten.
Aber irritiert bin ich dennoch: Habe ich das falsch mitbekommen? Hat das Zentralorgan der italienischen Linken nicht mehrfach Bankrott angemeldet und sein Erscheinen eingestellt? Das letzte Mal 2017. Ist das ein neuer Versuch die alte Dame wiederzubeleben?
Aber irritiert bin ich dennoch: Habe ich das falsch mitbekommen? Hat das Zentralorgan der italienischen Linken nicht mehrfach Bankrott angemeldet und sein Erscheinen eingestellt? Das letzte Mal 2017. Ist das ein neuer Versuch die alte Dame wiederzubeleben?
Liebe Crespinos (oder Crespinenses?) feiert schön, nächste Woche! Und ich hoffe Ihr- und vor allem Euer Kirchturm hat wirklich eine erfreuliche Zukunft!
Auf dem Photo kommt es nicht annähernd so dramatisch raus. Der Turm ist mindestens so schief wie der in Pisa! Er neigt sich nicht nur nach links sondern auch auf den Betrachter zu!
Überhaupt sind mir in diesen 2 Tagen 2 Dinge in der Poebene besonders aufgefallen.
1. Kein Kirchturm zeigt die richtige Uhrzeit an. Aber auch kein Rathaus, oder sonst eine "offizielle" Uhr. Auch die in der "Happy Bar" nicht. D.h. nicht die richtige Uhrzeit ist falsch. Sie zeigen nur 2x am Tag die richtige Uhrzeit an. In der Happy Bar kann man das ja verstehen. Denn wir wissen ja, "dem Glücklichen schlägt keine Stunde".
2. Die vielen verfallenen Häuser deuten aber in eine andere Richtung. Wie heißt der korrekte Ausdruck noch einmal? "Strukturschwache Gegend"! Macht die Sache auch nicht besser.
Manchmal wurden neben den Ruinen neue Häuser gebaut, die dann auch schon wieder erste Anzeichen von Verfall zeigen. Auf dem platten Land scheint es außer in der Landwirtschaft wenig Arbeit zu geben. Am Horizont Richtung Rovigo oder Ferrara scheinen sich Industrieanlagen anzudeuten, aber bei dem Regen ist das nicht so genau auszumachen.
Jetzt sitze ich im schönen Hotel "Enjoy", schaue aus dem Fenster in den Regen, der jetzt wieder Fahrt aufgenommen hat. Nur zu, runter damit! Auf dass, Morgen die Sonne wieder scheine!!
Ich hoffe Ihr schaut wieder vorbei!!
Es war eine wunderschöne Reise, danke Manne für all die Vorarbeit!
Und viel Spaß beim Weiterradeln, hoffentlich geht alles so gut und problemlos wie bisher!!!
Gute Reise und bis bald!
Jetzt muss ich doch was nachtragen. Das Neueste von der Calatrava Brücke
Das habe ich auf einer italienischen Nachrichtenseite gefunden:
Ich hoffe Ihr schaut wieder vorbei!!
Und hier: Friederikes Resümee:
Bevor der Alltag wieder das Kommando übernimmt, kommt heute
noch mein „Reisefazit“:
- . Mit eigener Muskelkraft von Engen nach Venedig gekommen zu sein! Juhu! Über die Alpen! Juhu!
- . Der Reisemanager (ich darf nicht mehr Reiseleiter schreiben) meiner kleinen Agentur hat große Arbeit geleistet! Super Planung! Die Reisegruppe war sehr sehr nett!
- . Bodensee, Allgäu, Oberbayern, Salzburger Land, Kärnten, der Tauern, die Julischen Alpen und die Karawanken, Friaul und als Abschluß Venedig! Mehr Abwechslung, mehr Landschaft, mehr Unterschiede sind fast nicht möglich in 17 Tagen.
- . 973 km bin ich gefahren, plus die stressigen zwei-drei Kilometer im Hafen von Venedig um auf den Zug zu kommen, alleine die Calatrava-Brücke zählt zehnfach! Davon war der Alpe-Adria Radweg 410 km und 2500 Höhenmeter ging‘s aufwärts und 2100 Höhenmeter hinab. Unser höchster Punkt war an der Tauernschleuse, auf ca. 1200 m .Die Höhenmeter im Allgäu – sogenannte Trainingsstrecke –sind nicht erfasst, aber das Städtchen Ellwangen- das mit den Elchen im Wappen- liegt auf ca. 850 m
- . „Nichts kann steiler sein, als das Städtchen Bad Gastein!“ Das ist mörderisch, dieser Anstieg innerhalb der Ortschaft, 10-12 %, mindestens 150 Höhenmeter auf ganz kurzer Strecke.
- . Die schönste Strecke war die Abfahrt auf der alten Eisenbahnstrecke“ Pontebbana“, hinab nach Italien, 50 km schönster Radweg am Rande der Karawanken, Blick auf die Julischen Alpen.
- . Die nettesten Leute waren in Kärnten, witzig und „kernig“.
- Minuspunkte bekommen „Macht“inhaber in Italien- z.B. Strandwächter und Schaffner.
- . Als Reiseabschluß Venedig und dann auch noch die Biennale!
- Fast alle Feinde des Radfahrers haben wir kennengelernt: Gegenwind, Dauerregen, schlechte Straße, rücksichtslose Autofahrer, steile Hügel, Hitze. Am Schlimmsten ist die Hitze und am meisten regt man sich über die Autofahrer auf.
Es war eine wunderschöne Reise, danke Manne für all die Vorarbeit!
Und viel Spaß beim Weiterradeln, hoffentlich geht alles so gut und problemlos wie bisher!!!
Gute Reise und bis bald!
Jetzt muss ich doch was nachtragen. Das Neueste von der Calatrava Brücke
Das habe ich auf einer italienischen Nachrichtenseite gefunden:
Zu viele Stürze: Venedig ersetzt Glasstufen der Calatrava-Brücke
Nach tausenden Stürzen Einheimischer und Touristen auf den Glasstufen der Calatrava-Brücken in Venedig setzt die Stadtverwaltung nun Maßnahmen. Das Glas sollen durch Trachyt-Platten ersetzt werden.
Offensichtlich hätte ich das Bild nicht von der Seite kopieren dürfen. Dadurch wurde die gestrige Seite von irgendjemand gesperrt. Ich hoffe, jetzt könnt Ihr es wieder sehen!!
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