5.Tag: Von Landsberg am Lech nach München
die Karte
Ellwangen
Geplant war ein gemächlicher Radeltag mit ca 60 kam, keine großen Anstiege, also ganz gemütlich nach München reinradeln.
Aber dann waren es 72 km, mit immer wieder recht bissigen Anstiegen, und ab Mittag leichtem aber stetigen Nieselregen, der allmählich in bayerischen Landregen überging. Blöderweise immer grad so, dass wir nicht angehalten und die richtigen Regensachen angezogen haben, am Schluß kam's einem dann auch nicht mehr sinnvoll vor. Also wir waren ziemlich nass und total schlammverspritzt.
Morgens ging es sehr nett los, ein Huhn hat uns im Frühstücksraum begrüßt:
Das Hotel Goggl war wirklich eine sehr schöne Unterkunft.
Nach dem Frühstücks ging's gleich auf den Schloßberg, puh...! die Gesten und Minen der entgegenkommenden Autofahrer- die übrigens im Stau standen und Zeit hatten zu schauen- waren unterschiedlich: Anerkennung, Bewunderung, Aufmunterung oder vielleicht doch nur voller Mitleid?
Kurz vor dem Ammersee war die Strecke irgendwie nicht mehr so richtig eindeutig. Wir haben einen netten Radler, -es war ein älterer Mann auf einem noch älteren Rennrad- gefragt und er hat uns angeboten uns ein Stück zu begleiten, über Kloster Ottilien wäre die schönste Stecke. Ich wollt grad noch ein Späßle machen, dass er aber nicht so schnell fahren soll, da legt der plötzlich mit einem echt sportlichen Tempo los, fährt mitten in der Straße, schimpft auf die Autofahrer und hält nebenher einen gepflegten Schwatz. Er komme nämlich grad von Arzt, Belastungs-EKG, alles okay, aber er wäre echt ins Schwitzen gekommen.
Kloster Ottilien war voller Schulklassen und netten Benediktinermönchen, die Führungen gemacht haben.
Und dann kam das lange ersehnte Highlight: das Baden im Ammersee.
30 cm waren es, aber nicht viel mehr! Das ist eine Badewanne für Kleinkinder und ich hab mir echt die Knie aufgeschrabbt beim Versuch zu schwimmen.
Aber auch hier wieder ein netter älterer Herr, der mit Manne auf der Bank nebenher geplaudert hat.
Ein ehemaliger Landwirt, radelt gerne in der Gegend herum und freut sich auf die Gespräche, die so entstehen.
Hügel rauf, Hügel runter, miese geschotterte Waldwege- man weiß nicht, was schlimmer ist, das mühsam aufwärts fahren durch den Schotter oder das rutschige Abwärtsfahren- durch kleine Dörfer und vorbei an riesigen Kieswerken, immer auf der Suche nach dem richtigen Weg....
aber jetzt darf der Manne noch weitermachen und euch von der schönen Würm erzählen:
Wie sagte schon Piggelti zu Frederik: "Nichts leichter als das!":
Zuerst muss einiges nachgetragen werden: Einer unserer treuesten Leser, Herr S. aus E., hat recherchiert und die ausstehende Frage, wie der Elch in das Wappen von Ellwangen komme, dankenswerterweise geklärt:
Ellwangen
"Das wichtigste Dokument zur
Stadtgeschichte ist die „Vita Hariolfi“, die Lebensbeschreibung des Gründers
Hariolf aus dem 9. Jahrhundert. Auf die Angaben in dem wertvollen Band bezieht
sich die gegenwärtige 1250 Jahr-Jubiläumsfeier, denn darin sind die Ereignisse
– teilweise legendenhaft – geschildert, die zur Gründung eines
Benediktinerklosters im Jahr 764 geführt haben.
Demnach ist die Gründung
Ellwangens einem Jagderlebnis zu verdanken: Tief und dunkel war der
Virngrundwald in dem Hariolf mit seinem Begleiter einen großen Elch entdeckte. Nach langer kräftezehrender
Jagd erlegt er den Elch und
legt sich selbst an einem Baumstumpf zum Schlafe nieder. Nach dem er drei Mal
aus dem Schlummer durch das unerklärliche Läuten einer Glocke geweckt wurde,
entschließt er sich an dieser Stelle ein Kloster zu errichten. Den Ort des
Klosters nennt er „Elchfangen“, aus dem der heutige Name „Ellwangen“
hervorgegangen ist.
Interessant ist nun, was
spätere Chroniken berichten: Bis in das 19. Jahrhundert wurde an den großen
Festen der Stadt Ellwangen die größte Glocke der Stiftskirche ununterbrochen
eine Viertelstunde lang geläutet – zur Erinnerung an das Glockengeläut, das
Hariolf im tiefen Wald gehört hatte. Ein schöner Brauch, der die Bewohner der
Stadt an die Gründung erinnerte. Diese Tradition wurde von den Verantwortlichen
im Jubiläumsjahr 2014 wieder aufgegriffen: So läuteten im Anschluss an den
Eröffnungsgottesdienst zur Gründungsfeier am 10. Januar alle Ellwanger
Kirchenglocken."
Vielen lieben Dank! Ich habe inzwischen auch nach Elchen in Mitteleuropa gesucht und festgestellt, dass der Elch tatsächlich hierzulande zugange war, d.h. im Mittelalter tatsächlich noch erlegt werden konnte. Ich sage ja immer, reisen bildet! Das hatte ich bisher nicht gewusst, dass es hier Elche gab.
Und noch eine kleine Korrektur: Die nette Bedienung von gestern, die uns das Ruetenfest so nett erklärte, hat mich heute Morgen bei meiner täglichen Radmeditation noch weiter beschäftigt. Was auf den ersten Blick so nett und pittoresk wirkt, ist doch eigentlich bei näherer Betrachtung eine ziemliche Sauerei! Da wurden früher, die Kinder aus der Stadt auf´s Land geschickt, um die Ruten, für "notwendige" Erziehungsmaßnahmen selbst zu schneiden.
Das erinnert mich sehr an die Erzählungen meines Vaters, der, wenn er nicht "gut getan" hat, von seinem Vater, meinem lieben Opa Johann aufgefordert wurde, den Gürtel zu holen, damit Vater Albert die notwendige "Abreibung" erhielt, für die er sich danach in aller Form zu bedanken hatte.
Aber vielleicht kann man ja heute tatsächlich, den Fortschritt in der Kindererziehung mit einem solchen Fest feiern!
Ein Nachtrag noch zu St. Ottilien. Die Werkschau des Bildhauers Josef Lang, aus Bad Tölz hat mir sehr gefallen.
Die historische Monumentalbasilika weniger. Die Benediktiner von St. Ottilien haben Missionsstationen in der ganzen Welt. Das Missionsmuseum präsentiert eine wilde Mischung von "Beutestücke". Vitrinen mit großen blauen Schmetterlingen, ausgestopfte Gürteltiere, Masken und Instrumente der "Wilden", ein bisschen gruselig ist das ganze schon.
Bis Friederike ihren "Badeplatz" gefunden hat, sind wir sicher mindestens 4x unter der Autobahn hin und her gefahren. Weder Albert, noch nette Ortskundige, noch die Schilder konnten uns wirklich weiterhelfen.
Aber das tägliche Bild von "Frieda beim Bade" ist doch immer wieder all der Mühen wert:
Nach der Mittagspause wären wir jedoch besser noch ein 5.Mal unter der Autobahn durch gefahren, denn die Alternative über Inning zu fahren, hat uns etliche Höhenmeter und wahrscheinlich 10 km Umweg eingebracht.
Aber nach einigen weiteren "Schlenkern" haben wir es tatsächlich auf den Radweg entlang der Würm geschafft. Sicher ein wunderschönes gemütliches Radfahren - wenn es nicht gerade vor sich hin pladdert.
Friederike hat ja schon ein Bild von unserer "Schlammschlacht" an den Anfang gestellt.
Nicht ganz ungefährlich der Weg, denn immer wieder hat die Würm den Weg schon unterspült, - aber wildromantisch allemal:
Aber es war auch überraschend, wie weit wir ins Zentrum der bayrischen Landeshauptstadt gefahren sind, ohne überhaupt etwas von der Stadt mitzubekommen. Bis Nymphenburg waren wir praktisch im Urwald, aber auch dann kam erst noch der Hirschpark, und dann waren wir eigentlich schon fast bei Valentins Dom-Pedro-Straße. Da ich bei dem heftigen Regen das Navi nicht mehr aus der Tasche holen konnte, habe ich mich beim "Navigieren" wieder aufs Fragen verlegt, was auf den Radwegen und an den Ampeln wunderbar geklappt hat. Wir haben uns nicht einmal mehr verfahren.
Unsere heutige Unterkunft seehr originell. Leider nur in der Deko, die technische Ausstattung lässt etwas zu wünschen übrig.
Ja, ok, die Idee die Türen der Zimmer mit Bildern von der Galerie des beautés, der schönen Münchnerinnen, die Ludwig I. in Auftrag gegen hat und die in Nymphenburg hängen, zu dekorieren, ist ganz nett. Aber mir gefallen die Portraits in ihrer originalen Größe viel besser. Die Bilder von Joseph Karl Stieler sind wirklich einsame Klasse.
Wir schlafen übrigens hinter der Tür auf der Theresa Renard abgebildet ist.
Und das wahrscheinlich ziemlich bald! Der Tag war richtig anstrengend!
Wir sehen uns Morgen
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