26. Tag: Von Viadana nach Cremona







Da lugt er hervor, der höchste Kirchturms Italiens, der, der Kathedrale von Cremona.
Das war heute die spektakulär unspektakulärste Etappe überhaupt.


Doch von Anfang an

Das "Hotel Europa" hat mich ziemlich deprimiert. Das ist jetzt nicht politisch und nicht zweideutig gemeint. 
Das Zimmer eine Zelle, die Duschekabine habe ich mit einem Handgriff in seine Einzelteile zerlegt. Die Klimaanlage laut. Keine Fliegengitter und jede Menge Mosquitos. Fenster zum Hinterhof. Dunkel. Stickig. Muffig
Die Leute schon nett. Aber das Abendessen hat mich heute noch den halben Morgen beschäftigt. Die Cannelloni  nach Art des Hauses: Käsefüllung, mit Käse überbacken und mit Käse bestreut. Käsefondue ist Schonkost dagegen. 
Dabei weiß doch jeder,  spätestens seit McCays "Little Nemo in Slumberland", dass der abendliche Genuss von Käsetoast Alpträume verursacht. 
Und so ging es mir heute Nacht wie Little Nemo - die Einzelheiten erspare ich Euch. Nur so viel: So lustlos, wie heute Morgen bin auf dieser Reise noch nicht aufs Rad gestiegen.

Und dann die Überraschung: Väterchen Po hat genau gemerkt, was mit mir los ist,  und spendiert mir auf den 62 km nach Cremona einen superschönen Luxusradtag. 62 km feinster Dammradweg. Fast die ganze Zeit leichter Rückenwind und einen kühlenden Fahrtwind.
Gelegentlich hat er sogar


hat er die Bewässerungsanlagen verstellt, damit ich durch einen angenehmen Sprühregen fahren kann. Und wie auf Bestellung, direkt am Damm, nette Locandas mit gutem Kaffee.


Die ersten 2 Stunden fliege ich nur so dahin. Und die Laune bessert sich zusehends. Wären da nicht diese seltsamen Schilder. Die mich irritieren:


Was bedeuten die? Noch 80 km bis Cremona??? Albert sagt noch 60!! Und noch seltsamer:


Nach dem großen Schild kommen im 200m Abstand kleine Schilder, wie hier " Km 79 +0.800" die den Kilometer runterzählen. Alle 200m ein Schild!! Was das kostet. Und wer will das überhaupt wissen! Was ist AIPO Ufficios de Cremona? 
Für einige Kilometer verschwinden die Schilder, dann sind sie wieder da. Ich weiß, Albert ist heute gut drauf - aber ganz ignorieren lässt sich die blöde Runterzählerei nicht.
Gerade habe ich nachgeschaut:

Home

Die interregionale Agentur hat die Aufgabe die Überschwemmungsprävention zu koordinieren und Überschwemmungsschäden zu minimieren.
Hat also null und nixen mit Radtourismus zu tun. Die Zahl 82 km am Anfang heißt wohl nur, dass hier die Zuständigkeit des Büros in Cremona beginnt. 
Ob man heute, zu Zeiten von Satellitenortungssystemen  noch alle 200 m ein Schild braucht, um melden zu können, "der Damm hat auf Kilometer 46  + 400 nicht gehalten!" ??
Egal, Väterchen Po sei´s gedankt, dass der Tag heute trotz der komischen Schilder ein richtig angenehmer geworden ist.

Ganz nach der Weisheit meiner Schwiegermutter (leicht angepasst): 
"Am Po isch´s et finster - ond au it windstill!"


Casalmaggiore ist ein richtig schönes Städtchen, kam einfach etwas zu früh, für einen ersten Kaffeestopp. 


Und noch ein rätselhaftes Schild. Moment,  ich mach es etwas größer


Was will der Schreiber damit mitteilen? Dass die Fahrräder, wie im Film "Fahrradiebe" geklaut worden sind, und man sie wieder mitnehmen kann? Dass hier seine Fahrräder immer wieder geklaut werden? Dann sollte er vielleicht mal etwas anderes ausprobieren, als Schilder zu malen. Oder soll das einfach heißen, "liebe Leute klaut meine Fahrräder nicht!" - Wie auch immer, ein Mensch mit klassischer "Filmbildung" hat den Menschen der "Jetzt-Zeit" eine kryptische Nachricht hinterlassen, die mich mindestens noch 1 1/2 km beschäftigt hat.

Eine andere Frage, die mich den einen um den anderen Kilometer beschäftigt hat, konnte heute gelöst werden. Es geht wieder einmal um die Pappeln. "Was geschieht mit den Flächen, wenn die Pappeln "abgeerntet" sind? Dann ist der Boden doch noch voll mit den ganzen Baumstümpfen und Wurzeln. Zwar ist die Pappel ein typischer Flachwurzler, aber trotzdem, das Zeug muss raus, ehe eine neue Generation angepflanzt werden kann; was auch geschieht



Gleich an Ort und Stelle werden die Baumstümpfe und das Restholz zu Hackschnipseln verarbeitet. Ganz schlau eigentlich.


Dann auf diesem wirklich menschenleeren Abschnitt des Radweges, eine Hightech-Sonnenuhr! 
- Die meines Erachtens fast eine Stunde nachgeht. Oder kann man auf Sonnenuhren die Sommerzeit nicht einstellen?

Der Radweg heute, war wirklich genial. Bis 10:00 relativ viele Rennrad fahrende Berufstätige, wie jeden Tag, danach höchstens mal ein Traktor.
Und dann geht es noch in ein Naturschutzgebiet - Schwerpunkt Vogelschutz.




Hier wächst der Weg langsam zu. Aber er ist immer noch geteert. Vogelmäßig habe ich viel gehört und wenig gesehen. Halt, nein!! Es waren tatsächlich ein paar von den berühmten Po-Graureihern am Wegesrand, aber zu schnell weg, um sie fotografieren zu können. Schöne Tiere!


Inzwischen  ist es kurz vor 14:00. Der nette kühle Fahrtwind schlägt in heißen  Föhn um. Aber zum Glück bin ich kurz vor Cremona.
Und im Hotel am Dom!


Die Tische hinter dem Kiosk gehören schon dazu! 


Und hier der Dom! Und der höchste Kirchturm Italiens. Und die berühmte Renaissance Uhr! 
Cremona hat offensichtlich eine Menge zu bieten. Da habe ich kurzerhand beschlossen, Morgen nicht weiter zu fahren und mir die Stadt in Ruhe anzuschauen!
Tut mir und m e i n e m  Po auch gut!!

Was ich mir merken muss:

1. "Nach Art des Hauses" ist kein Qualitätskriterium sondern ein Warnhinweis.
2.  Nie wieder  Cannelloni!



Kommentare

  1. So ein Tag ohne zu podeln tut dir sicher auch mal gut.
    Außerdem kannst du ja dann auch ein Gläschen auf deine kleine Enkelin heben. Herzlichen Glückwunsch aus Gingen...
    Opa Manfred

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