28.Tag: Von Cremona nach Piacenza





28.Tag? 28:7 =
4 Wochen bin ich jetzt schon unterwegs! 
Cremona war ein schöner Zwischenstopp


Die Unterkunft am Dom werde ich in guter Erinnerung behalten, auch wenn das alte Haus furchtbar hellhörig war. Alle Türen haben gescheppert, wenn jemand auf dem Stock sein Zimmer aufgeschlossen hat. 

Cremona selbst ist immer einen Besuch wert, auch wegen des guten Essens.
Die Radwege sind vorbildlich  (Piacenza, schick mal eine Delegation zum Nachbarn, da kannst du was lernen!!! ) Es gibt sogar einen auf der Brücke über den Po!! 



Danach wieder auf den Damm. Ich habe mich sehr an diese Art des Fahrens gewöhnt. Auf meinem heutigen Abschnitt steht am Anfang auf der Straße "Via F.Coppi". Da lege ich doch glatt einen Fausto Coppi Gedächtnissprint ein!! Fausto Coppi, - für die jüngeren unter Euch-  ist vielleicht der populärste italienische Radrennfahrer überhaupt,  2 x Tour de France, 5 x Giro, 2 x Straßenweltmeister...
Er ist noch ein Stückchen weiter Po aufwärts geboren, in Castellania im Piemont, dass sich seit diesem Jahr im März Castellania Coppi nennen darf (die 92 Einwohner werden das schnell gelernt haben)

Ab Nazzaro wird der Po mehr von den Anwohnern wahr genommen. Es gibt Angler, kleine Bootsanlegestellen, Picknickplätze.  Liegt vielleicht daran, dass keine Pappelplantagen mehr zwischen dem Fluss und den Menschen sind. In der "Mühle" hätte ich gerne einen Kaffee getrunken, aber die sind am Umbauen. Dann halt in der Bar um die Ecke, beim "Alchemisten". 
Der Name hätte Warnung genug sein müssen. Nicht nur, dass mein "Americano" grässlich war, es saßen auch 6 ältere Herren, stumm, rauchend an den Nebentischen. Auf mein fröhliches "buon giorno" - Schweigen! Keiner verzieht eine Miene! Sie schweigen und rauchen und starren mich an. Nur wenn ein Auto vorbeifährt, wandern ihre Köpfe mit dem Wagen! Gruselig!
Der neue Besitzer der Mühle, kommt vorbei, der wird genau so ignoriert. Sie nehmen nicht einmal eine Zigarette von ihm. Ich rutsche mit meinem Stuhl etwas an die Wand, so dass die "Mumien" 
hinter der großen italienischen Fahne neben der Tür verschwinden!
Zurück auf den Damm! 
Da höre ich die Stimme wieder: "Geh´ heute Schwimmen! Kühl dich im Fluss ab!" 
Mir ist doch überhaupt nicht heiß
"Geh´ heute im Fluss schwimmen!"
Also gut, ich fahre runter auf den Platz wo ein paar Angler ihre Autos abgestellt haben.



Ist schon schön hier. Aber der Fluss, sorry Po, eine Brühe!  
"Wenn, du Stimmen hörst, meint mein Po, dann ist das bedenklich! Wenn Du aber machst was dir deine Stimmen sagen, - dann solltest du zum Arzt!"
"Danke, weiser Po! Das werde ich dir nie vergessen!" 

Immerhin war ich mit den Fussspitzen im Wasser!


Vorsichtshalber habe ich die Schuhe angelassen!


Diesen Autor würde ich gerne zum Ehrenmitglied des "Freundeskreises schlechter Wortspiele" machen. Egal, ob aus mangelnden Englischkenntnissen oder aus einer tiefen Erkenntnis heraus, dieser Spruch ist genial. Aber wahrscheinlich würde, "Granddad" auch schon stimmen.

Etwa 10 km vor Piacenza ist Schluss mit lustig. Zuerst hört der Damm auf. Kleine Sträßchen, nichts los, kann man fahren. 
Dann auf eine größere Straße. 
Und dann die Einfahrt nach Piacenza.

Manchmal hilft es ja schon, nicht nur nach den historischen Altstädten zu schauen, sondern was sonst so geht in den Städten. 
Piacenza hat um die 100.000 Einwohner und ist eindeutig schon in der Industrieregion um Mailand. 
Wenn es in Udine nicht schön war ins Zentrum zu kommen, so ist es hier eindeutig der Horror. Brücken über Bahnen, Unterführungen unter Autobahnen. Raffinerien, Einkaufsmärkte, Straßenstrich der traurigsten Sorte. Mit dem Fahrrad bist du viel näher dran, - zum Glück habe ich kein Wort verstanden, was die Damen sagten, die Gesten haben gereicht. 
Und kein Fahrradweg bis etwa 5 km vor der Innenstadt. Dann hat die Stadtverwaltung wohl ein schlechtes Gewissen gehabt und pflanzt den neuen Radweg mit Oleander zu. 
Sorry, Piacenza, mit Oleander kannst du diesen Brutalismus nicht wegzaubern.


Und wehe es sagt jetzt jemand: "Wieso, sieht doch schön aus!" Den Gestank der Straßen und der Raffinerien kann auch ein Wald aus Oleander nicht übertünchen.

Auf meine heutige Unterkunft bin ich echt gespannt: "Palazzo Malaspina" - wow! Die Malaspinas sind ein uraltes Adelsgeschlecht in Italien. Mit denen hat schon Friedrich, der Rotbart gesoffen und Friedrich II hat sie in seinem Falkenbuch erwähnt und bei Dante kommen sie auch vor - und ich werde heute in ihrem Piacenzer Palast nächtigen.
Der Vorlauf ist etwas seltsam. Heute Morgen bekomme ich eine Email, dass die Chefin nicht da sei, aber ich könne jemand anrufen.
Ok. Ich komme an. Die Nummer funktioniert nicht. Ich fahre die Straße weiter runter, wieder rauf. Hier sehen alle Palazzi gleich aus. Da gehen zwei Spanierinnen in einen Toreingang. Ich höre, wie die eine sagt, dass die "Señora" gleich kommen werde, das wird doch nicht meine Unterkunft sein? Ich frage die Damen - und richtig. Sie haben jemand erreicht, und tatsächlich es kommt jemand.



 Die Dame kann aber weder Englisch noch richtig Italienisch, - aber sie hat einen Zettel, mit meinem Namen drauf:


Und jetzt Ihr. Kitsch oder schön?  Alles alt hier, alles gediegen, aber Service gleich null. Morgen muss ich mir mein Frühstück selber basteln. Wie die Kaffeemaschine funktioniert hat man mir gezeigt.
Hauptsache ich bin aus der Hitze. Die Räume sind hoch und es gibt einen Ventilator. Das wird schon gehen.

Nach der Siesta mache ich mich auf Stadterkundung. 
Piacenza hat schon auch schöne Ecken. Der Reiterplatz


Wären die Gäule nicht vor dem Rathaus, könnte es auch Cremona sein. 
Aber hier geht es anders zu. Nicht mal einfach in den Dom latschen. Kirchen haben bis 15:30  geschlossen und dann bis 18.00 geöffnet. Die Museen sind jetzt offen, machen aber um 17:00 zu. Solche Eintrittszeiten habe ich noch nirgends erlebt.

Der Dom, ähnlich wie Cremona, hat viel Romanik im Äußeren Bereich zu bieten. Innen wieder düster und weniger spannend.


Dieses Mal sind nicht die Löwen die Säulenträger sondern Menschen, die auf Löwen sitzen, - oder gegebenenfalls auch auf Drachen. Einer sitzt sogar auf 3 Löwen.


Im Bereich der Torbögen ist in einem Swingerclub Extasys verteilt worden.


Man beachte die elegante Beinhaltung beim Mambo!

Scherz beiseite. Die Atlanten in der romanischen Architektur sind richtig spannend. Aber heute keine Vorträge!
Aber warum finde ich keine Antworten auf die Fragen, die mich an manchen Baudenkmälern brennend interessieren.
Über die Kirche San Francesco z.B. findet man überall das gleiche. Dass sie aus Backstein ist - kann ich sehen, dass sie der von Bologna ähnlich ist, kann ich sehen. 
Aber was es sich mit dem rätselhaften Bild in einem Seitenaltar auf sich hat, darüber finde ich nirgendwo eine Antwort.


Maria wartet ganz offensichtlich entspannt auf den Abflug. Aber worauf liegt sie.



Ich hab es versucht ranzuholen. Also in der Mitte, klar, die Paradiesszene. Adam und Eva und der Baum, und die Grenzen des Paradieses drum rum. Die nächste Sphäre, die Gestirne, mit den Mondphasen. Danach scheinen die Sternzeichen zu kommen, mit den jeweiligen Repräsentanten. 
Also Maria wird aus unserem Kosmos demnächst irgendwo anders hin schweben. Eine solche Darstellung habe ich überhaupt noch nicht gesehen. Und wie geschickt, hier dieser Kosmos wieder zu einer in sich geschlossenen Kugel - oder eher einem Zylinder wird!
Das hat mich heute nicht mehr los gelassen!

 nach meinem "Höllenritt" durch die  bisher hässlichsten Aussenbezirke eine Stadt auf dieser Tour, habe ich mich mit Piacenza, dann schließlich doch ausgesöhnt.
Mal sehen ob mich der Kaiser Friedrich Barbarossa, der Falkner-Friedrich und der Dante heute Nacht im Malaspina-Palast heimsuchen!
Euch eine geruhsame Nacht

Schaut Morgen wieder rein, wenn Ihr Lust habt.














Kommentare

  1. Lieber Manne, heute morgen habe ich einige Tage von Dir auf einmal gelesen und das war richtig gut. Einfach schön, Deinen Berichten zu lauschen!

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