31. Tag: Von Magenta nach Arona
die Karte
"Wo hat er gedient?" Waas? Und der Vater? A Bimakl!! Das wird ja immer besser: Ja da schaumer mal, was sie wissen!!
Magenta? - Eine Farbe?
Und Solferino ist dann wohl was zu trinken??
Und wie heißt der "Held von Solferino?" - Trotta! Na, immerhin a bissl was wissn ja doch, aber so kommen´s nie durch die Prüfung - Und nehmen´s doch wenigsten Haltung an...!
Ob Zugverkehr oder nicht. Ich mach die Fenster auf - der Mief der letzten 200 Jahre muss raus. Keine schlechten Träume mehr!!
Was für ein TAG!!! Dabei fing alles ganz harmlos an!
Alles war gut - zumindest spätestens als ich die "russische" Villa verlassen durfte. Das Frühstück war ordentlich - und ich habe das Geschirr nicht abgeputzt. Die Tochter einer der Damen von gestern sprach ein verständliches Italienisch, - nur mit der Bezahlung gab es dann noch Probleme. Niemand wusste, wieviel ich zu zahlen hätte,- wieder Rundgespräche, - Karte? Nein lieber Cash. Ich war schon nassgeschwitzt, als ich endlich auf die Straße durfte.
Dann aber, wie die Tage zuvor, das pure Vergnügen. 1a Radwege, keine stressigen Situationen, 35 von 62 km das reine Vergnügen.
Nette Begegnungen. Die beiden haben sich wohl eine Gondel in Venedig unter den Nagel gerissen, haben aber hier gegen die Strömung des Ticino doch einige Schwierigkeiten. Die Rudermethode ist wohl eher für stehende Gewässer!
Die Strecke heute geht größtenteils am "Hauptkanal" entlang. Links von mir der "wilde Ticino" - und da bleibt er auch, wie gestern. Ich habe heute noch etwas vor.
Und wie gestern, bin ich noch in den Außenbezirken von Mailand, wo sich der eine oder andere ein kleines Wochenendhäuschen geleistet hat.
Oder ein Atelier - hätte mir auch gefallen.
Es hat anscheinend auch wirklich Boote auf dem Kanal gegeben.
Heute ist es nichts mehr mit 100 Höhenmeter auf 50 km. Langsam wird klar, dass der Ticino aus den Bergen kommt. Und sich auch nicht gerne einengen lässt.
Aber noch wechseln sich nette Orte, mit absolut einsamen und stillen Abschnitten.
Dann musste der Kanal einmal einen gewaltigen Satz machen.
Was hat man da einmal Beton verbaut, - für nichts und wieder nichts.
Das waren die ersten knackigen 12% - aber zum Glück nur kurz. Nicht weit von hier, will Albert vom Kanal weg. Dabei geht der Weg doch wunderbar links weiter.
Das kann aber auch eine Falle sein. Ich konsultiere die Karte, die ich in Pavia bekommen habe. Sieht ganz so aus, als ob der Kanalweg in einer der nächsten Windungen in einem der nächsten Dörfer aufhört. Mit keiner Chance auf die andere Seite zu kommen. Aber muss ich wirklich heute schon in die Berge?
Etwa 20 Rennradler, die fröhlich pfeifend von oben runter gerast kommen, geben den letzten Ausschlag. Auffi mussi!!
Und es geht auffi! 15 km manchmal streng, manchmal angenehm. Aber immer hinauf. In Somma Lombardo bin ich so hoch, dass die Flugzeuge, die in Malpensa (Mailand) aufgestiegen sind, gerade mal so drüber rutschen. Das Waldshut-Tiengen der Lombardei, sozusagen. Ein Höllenlärm. Und Somma Lombardo ist noch nicht der Gipfel.
Unangenehm, das merke ich jetzt wieder auf´s Neue sind die Berge nicht, weil es hoch geht, sondern weil es eng wird. Und eng ist deshalb unangenehm, weil der Bergbewohner die Enge gewohnt ist. Für mich, der ich nun einige Tage, die Weite des flachen Landes genossen habe, sind 15 cm zwischen meinem Ellenbogen und dem Rückspiegel eines Autos definitiv zu eng!!!
Für den Bergbewohner anscheinend nicht. Da wird es für ihn kuschelig.
Ganz besonders, wenn es wieder bergab geht.
Das macht keinen Spaß
Unten angekommen. Der ideale Badeplatz für Friederike. Aber durch den Höhenunterschied hab ich einen Druck auf den Ohren - und höre die Stimme aus der Ferne nicht.
In Calenda fängt der Bilderbuch-Tessin an. Und der Touristenrummel!
Wenn es keine Bergbewohner sind, die nerven, hier sind es die WrummWrummWrumm Monstertrucks der Touristen, die dich fast dazu bringen in den Graben zu fahren.
Aber immerhin, bei meiner letzten Ticino-Überquerung (?) gibt es einen Radweg. Das war es dann an positiven Meldungen zum weiteren Verlauf der Straße.
Wie ich das aus den oberitalienischen Seen aus der Sicht des Autofahrers kenne, von nun an sind Radwege unbekannt. Wenn man Glück hat, darf man auf einem Standstreifen durch die unerträgliche Landschaft von Sanitärmärkten, Autohäusern, Tankstellen, Supermärkten, Möbelmärkten, Baumärkten, Wertstoffhöfen.... fahren.
Halt, das ist kein Wertstoffhof
Da hat einer seiner Privatmuseum "des Transportwesens" auf die Wiese gestellt. Wild durcheinander, Schrott, aus allen Transportbereichen, gerne auch Raketenwerfer und Lafetten.
Nach Arona rein sind es jetzt noch 4 km, - aber warum soll ich noch 7 fahren. Da stimmt doch was nicht!
Irgendwann habe ich die hässliche Seite des "Touristenparadieses" durchfahren, bin im Zentrum von Arona, wo es selbstverständlich schöne Radwege gibt, doch ich muss immer noch 3,5 km fahren. Mir schwand böses.
Bisher habe ich ja wirklich eine gute Hand bei der Auswahl von Hotels gehabt. Abgesehen von solchen, die in der Nähe von Bahnhöfen waren.
Und mein Hotel San Carlo ist etwa 800 m vom Zentrum entfernt. Ich fahre aus Arona raus, und es sind immer noch 3 km?
Und dann kommt´s!!
Es geht links den Berg hoch!
CARLHEINZ!! Du hättest mich doch warnen können. Ich weiß doch, was 800m "vom See" heißt!
Luftlinie!
Ich fahre eine Serpentine hoch, die 2. die Dritte, es hört einfach nicht auf. Ich habe schon 62 km in den Beinen und das hier ist Tour de France!
Und es ist heiß. Wie kann man nur so blöd sein!
Das Denkmal von San Carlo ist gaaanz oben - und das Hotel San Carlo ist direkt neben dem Riesendenkmal von San Carlo, wer immer San Carlo ist.
Aber ich habe es geschafft. Und der Blick über den Lago Maggiore ist "natürlich" spektakulär
Und natürlich sind es keine 800 m Luftlinie in den Ort. Auweia!
Nach der Fahrt in den Ort ist mir klar. Am Lago Maggiore fahre i c h keinen Meter mehr als nötig auf Uferstraßen herum!!
Die Alternative ist das Boot.
Ich habe mich schon ein wenig umgeschaut. Von Arona geht ein Schiff nach Locarno. Eines nimmt Fahrräder mit. Die Fahrt dauert um die 4 Stunden.
D.h. ich muss noch einmal runter, um Karten für das Boot zu bekommen.
Aber mit dem Fahrrad fahre ich nur noch einmal diesen Berg hinunter - und zwar Morgen.
Das Hotel San Carlo ist wirklich günstig gewesen - jetzt weiß ich warum; da wird doch wohl ein Taxi drin sein!
Und es war wirklich gut, dass ich noch einmal runter gefahren bin. Denn was jetzt kommt ist Slapstick pur.
Mein Taxifahrer fährt mich an die Anlegestelle. Ich gehe an den Schalter. "Eine Fahrkarte nach Locarno für Morgen bitte!"
"Morgen fahren keine Boote nach Locarno!" - Wie bitte? Aber hier der Fahrplan 10:15 Arona nach Locarno!" "Ja schon, 6x die Woche, aber Morgen nicht! Du kannst ja mit dem Zug fahren."
"Mit dem Zug?"
"Ja, der Bahnhof ist 200 m weiter - das gelbe Gebäude!"
Die Dame am Bahnhof, ist - im Gegensatz zur Lady von den Booten, wirklich nett.
"Klar, du kannst ein Rund-Ticket kaufen, hin mit dem Zug und zurück mit dem Boot. In Domodossola musst du umsteigen auf den Zug nach Locarno."
"Und kann ich mein Fahrrad mitnehmen?" - "Uh, von hier bis Domodossola sicher, - aber dann? Das ist eine private Bahngesellschaft, warte ich rufe da mal an...." Es nimmt niemand ab. Hinter mir wird die Schlange länger.
"Also, das weiß ich jetzt auch nicht. Geh doch mal rüber zur Touristen-Info. Wenn die es auch nicht wissen, dann komme Morgen einfach wieder hierher. Dann ist auch jemand in Domodossola im Büro."
Ich gehe in´s Touristen-Info-Büro.
Macht erst um 15:30 auf.
Ich gehe noch einmal zu den Booten.
"Und wenn ich... "No boat tomorrow to Locarno!" - Die Lady ist inzwischen auf 189. "But can I go to Brissago by boat tomorrow?" "To Brissago, si"- Das wären dann noch etwa 40 km nach Locarno auf der Küstenstraße.
Doch Tickets gibt es nicht. Diese Fähren nehmen nur dann Fahrräder mit, wenn es Platz hat. Und Platz hat es nur, wenn nicht genügend andere Passagiere kommen. - "Da kann es schon mal sein, dass du nicht mitkommst. Aber wenn du um 8:00 mit dem Boot nach Stresa fährst. Da sind noch nicht so viel Touristen. Und dann, um 9:45 mit dem Boot nach Verbania, aber wenn der Kapitän sagt, dass es keinen Platz für Fahrräder hat.... You see, "yellow" "Yellow, unter dem Fahrradzeichen heißt, nur wenn es Platz hat..."
Wasn Mist!!
Ich gehe wieder zum Touri-Info-Center. Ihr müsst Euch ein Dreieck vorstellen, mit der Seitenlänge von ca 3-400m.
Die Dame dort ist sehr kompetent und kann gut Spanisch.
Sie schaut noch einmal nach.
Also, tatsächlich, die private Zuggesellschaft nimmt keine Fahrräder von Domodossola nach Locarno mit.
Und die Idee mit den kleinen Booten Morgen bis Brissago zu kommen, soll ich mir bitte abschminken. Ich soll auf keinen Fall mit dem Fahrrad weiter bis Locarno fahren, wenn ich nicht lebensmüde bin. Da passieren ständig Unfälle. Enge Straßen und keine Radwege.
Das ist doch mal ne Aussage. Vielen Dank!
Also zurück zur Bootsanlegestelle. Die Lady dort ist immer noch da und ich bin heute ihr rotes Tuch!
"Sorry, kann ich vielleicht mit dem Kollegen sprechen?" - Es dauert etwas, bis der Schichtwechsel vollzogen ist.
"Also: Ich möchte bitte ein Ticket, ... nein warte doch einfach... ich weiß, Morgen fahren keine Boote bis Locarno... Ich möchte bitte, ein Ticket für Übermorgen, Donnerstag, den 8.8. für mich und mein Fahrrad, von hier nach Locarno!!" "Aber...!" "Bitte, auf dem Fahrplan, ist das 10:15 Boot nicht gelb unterlegt -"Not YelloW!!" Die Lady, die schon dienstfrei hat, kommt noch einmal zurück und mischt sich ein. OK??? Ich kann tatsächlich für übermorgen ein Ticket bekommen - und sie m ü s s e n mich mitnehmen.
Ich habe zwei Tickets. Für mich und mein Fahrrad!
Jetzt brauche ich nur noch eine Übernachtungsmöglichkeit für Morgen. Kein Problem, keine 100m von der Bootsanlegestelle. Und sogar noch 5 € billiger, als mein Berg-Hotel!!
Also mache ich mir Morgen einen schönen Tag. Und am Donnerstag geht es weiter.
Inzwischen bin ich wieder auf dem Berg. Das Essen auf der Terrasse ist spektakulär, sowohl was den Blick, als auch das Essen betrifft.
Nur musste ich etwas überhastet in mein Zimmer, als die Mosquitos zum Angriff über gehen. Es ist drückend schwül und inzwischen regnet es auch.
Und wer der gruselige San Carlo links neben meinem Bett ist, bekomme ich auch noch heraus
Eine geruhsame Nacht. Bleibt mir gewogen - und schaut Morgen wieder vorbei!!
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