33.Tag: Von Arona nach Bellinzona








Isola Bella! Das Weltwunder im Lago Maggiore!- Das Weltwunder, dass Euer Blogger tatsächlich auf die Reise über den wunderschönen See- "übern See" mitgenommen wurde, davon sprechen wir heute nicht mehr!!
(Oder nur so viel: Dieses ständige: "Ja, aber nur wenn der Kapitän sagt, dass das Fahrrad mitgenommen wird", war so etwas von lächerlich. Ich war der einzige Passagier mit Velo! Und auf den anderen Schiffen, die ich abfahren sah, war es kein bisschen anderes.)

Der  Schifffahrtsbeamte "für die korrekte Abwicklung der Beförderung von Passagieren mit und ohne Fahrrädern" vom Dienstag, erinnert sich heute Morgen wieder an mich! Er ist offensichtlich besserer Laune. Ich bin früh dran, und er weist mich freundlich darauf hin, dass ich erst das große Boot, nicht das nächste nehmen dürfe!! Alles klar!

Der Regentag in Arona hat zwar zu einem kleinen Stimmungstief geführt, schließlich fährt man nicht 1.500 km, um dann das pulsierende Leben von Radolfzell miterleben zu müssen. Stellt Euch mal vor, Ihr verbringt einen geschlagenen Vormittag in der Seestraße, bis Ihr ins Hotelzimmer dürft, das zwar noch 4 Sterne über der Eingangstür hat, dessen Teppichboden in den letzten 30 Jahren aber nicht gewechselt worden ist. 
Es gibt nur wenig Unangenehmeres, als nachts, schlaftrunken, zur Toilette zu huschen, und vergessen zu haben, wo die Flip Flops sind. 

Aber heute Morgen scheint wieder die Sonne! Ich bin erleichtert, dass ich mich gestern nicht auf das Fähren-Hopping eingelassen habe, nicht nur, weil die Küstenstraße heute meine Befürchtungen voll erfüllt hat - sondern auch, weil es gestern Nachmittag mehr oder weniger die ganze Zeit geschüttet und gewittert hat.
Mal wieder Riesendusel gehabt!!
Die Kirche zur Hl. Maria von Gishallo, der Schutzpatronin der Radfahrer, liegt ja praktisch nur überm Berg, aber leider am "falschen See". Wenn ich mal wieder am Comer See bin,  werde ich eine dicke Kerze anzünden! 

Aber von Anfang an:



Tschüss Arona! Das Schiff ist noch eher leer, als wir losfahren. 


Die Schattenplätze auf der rechten Seite des Schiffes - der Seite wo auch die schönen Orte liegen, sind  komplett leer. Alle gehen, wie so üblich direkt aufs Oberdeck! - In die pralle Sonne! Nicht so Euer Berichterstatter. 
 Es dauert nicht lange, da ändert sich das Bild. Nun wird, zumal bei jeder Station  zusehends mehr Fahrgäste zusteigen, der Run auf die Schattenplätze zum Dauerthema. 
Wenn man wochenlang auf dem Rad unterwegs ist, vergisst man allzu leicht, wie unangenehm größere Ansammlungen unserer Spezies auf engem Raum sein können. Da werden Sitzplätze mit Sonnenhüten reserviert. Die Sonnenhüte werden von anderen, auf  "Sonnenplätze" gelegt. Man beäugt sich misstrauisch. Menschen mit roten Köpfen kommen vom Oberdeck herunter und stellen sich in am Rande des Schattens auf. In den Bar- und Restaurantbereich will noch niemand.

Ich gebe meinen Schattenplatz auf und gehe einen Kaffee trinken. 


Noch einmal kurz zurück zu den Boromäischen Inseln, dem Weltwunder. Ja, richtig, das ist noch immer der Sitz der Boromäer, den Nachfahren unseres KolossCarlo. Ich meine, wenn man mehrere Hundert Jahre Zeit hatte einen Landstrich auszuquetschen, sollte es doch für ein Wochenendhäuschen in dieser Größe reichen.



4 1/2 Stunden Bootsfahrt. 13 idyllische Orte fährt das Boot an! Wirklich schön!
Aber mehr als ein Stück Schwarzwälderkirschtorte vertrage ich einfach nicht.




Verbania wollte offensichtlich einen Kontrapunkt zu der Postkartenidylle setzen! Das Konzert und Veranstaltungszentrum vom spanischen Stararchitekten Carlos Arroyo wirkt ein bisschen wie ein gestrandetes Raumschiff. Ohne Zweifel es ist ein Hingucker. Ich bin mir nur nicht so sicher ob Arroyo wirklich ein Gespür für den Ort seiner Inszenierung hatte.

Und dann: Tschüss, Bella Italia, Salve Switzerland!


In Brissago halten wir zum ersten Mal in der Schweiz


Und dann kommt Ascona. Da oben ist irgendwo der Monte Veritá. Vom See aus wirkt Ascona eher etwas steril.


Und dann: Pünktlich gegen 14:30 erreichen wir das andere Ende des Sees. Locarno. 


Mit dem Namen verbinde ich eher hochpreisigen Tourismus mit den entsprechenden Luxus Boutiquen. 
Doch dann bin ich sehr angenehm überrascht. Vielleicht auch deshalb, weil ich gar nicht erst versuche, das Zentrum zu erkunden, sondern gleich am Hafen rechts abbiege, um Richtung Bellinzona zu radeln.
Dass ich einmal das eine Lobeshymne auf die Schweiz singen würde, das hätte ich wirklich nicht vermutet. 
Aber von der ersten Minute an, war es ein so angenehmes Radfahren, unglaublich. Nahezu 100% Luxusradwege.
Ein Wegweisersystem, das man sofort versteht.


Nach 5 Minuten habe ich verstanden. 3 ist der Fernwanderweg. Chiasso - Basel. Alle Radwegangaben mit einer 3 am Anfang liegen auf diesem Radweg. 31 ist der Abschnitt bis Bellinzona, 22 km. Ich war schon lange nicht mehr so froh auf dem Rad zu sein, - nach dem Gedränge auf dem Schiff.

Was ich auch noch nicht hatte. Der 31er bietet 2 Varianten an. Links für schnelle Radler rechts für langsame. Ich entscheide mich für das langsame Radeln. Gute Wahl. Der Weg geht direkt am Wasser entlang. Friederike hätte sich nicht entscheiden können, an welcher der wunderschönen Badestellen sie in´s Wasser hätte hüpfen wollen.


Für mich gab es da keine Problem.


Schaut Euch das an! Das ist eine Radwegbrücke!!

Viele Kilometer Radwegerfahrung haben mich eines gelehrt. Wenn es zu schön ist, kommt irgendwann der Hammer - immer!
Nicht so in der Schweiz. Heute!
Sogar an Baustellen, an denen andernorts wahrscheinlich 4 km unausgeschilderte Umwege über Feldwege angestanden hätten, Baut der Schweizer eine Behelfsbrücke, damit wir Radfahrer geradeaus fahren können.


Das ist schon fast unheimlich.

Dass ich auch noch den Weg hoch nach Bellinzo schön Rückenwind habe, da kann der Schweizer nichts dafür.

Zwischendurch muss ich mich wohl von meinem Freund, dem Ticino,verabschieden. Mach´s gut! Ich würde mich freuen, wenn wir uns mal wieder begegnen würden.


Und dann kommt mal wieder einer dieser Momente, wofür ich das Fernradeln so liebe. Manche Orte, glaubt man ja wirklich gut zu kennen, so zum Beispiel Bellinzona. Man kommt das Tal auf der Autobahn heruntergerauscht, hinter Bellinzona Linkskurve, dann kommt die Brücke über den Ticino und dann wieder eine Rechtskurve und dann geht es lange steil den Hang hinauf. Irgendwann sieht man dann Locarno und den Lago Maggiore rechts unter sich - und hat das Gefühl in Italien angekommen zu sein.


Ganz anders sieht dieser Abschnitt vom Radweg aus gesehen aus. Und Bellinzona ist ein toller Ort, den man keineswegs rechts und schon gar nicht links liegen lassen sollte.




Das ist der Blick von meinem Hotelzimmer im 7.Stock in die eine Richtung - und so sieht es in die andere Richtung aus:


Das könnte der Forcarella sein, aber sicher bin ich mir nicht.

So, und jetzt muss ich noch ein Geständnis machen. Letzten Donnerstag, oder Freitag, als Klein-Carla gerade geboren worden ist, hat mich in der Nacht irgendwann der Rappel gepackt. Warum radelst du hier in der Poebene rum, und fährst nicht früher nach Hause?
Also buche ich für den 8.8. von Bellinzona ein Zugticket bis Schaffhausen. Funktioniert. 
Heute, eine Woche später, hat sich die erste Aufregung schon ein bisschen gelegt. Carla wird den Opa deswegen nicht in schlechter Erinnerung behalten, nur weil er ein paar Tage später den ersten Besuch macht. 
Als ich vorhin zum Bahnhof gehe, ist mir klar, dass ich die 70 Franken in den Sand gesetzt habe. Ich gehe in das SBB-Büro, zeige meine ausgedruckte Fahrkarte und meine, da kann man wohl nichts mehr machen. "Nicht unbedingt!" sagt der nette Herr von der SBB. "Da schauen wir doch mal was wir machen können."
2 Minuten später, "So das wäre erledigt! Wir müssen ihnen 10 Franken Bearbeitungsgebühr abziehen, die 60 Franken werden auf Ihr Konto zurück überwiesen."
Ich bin sprachlos!
Das hätte ich jetzt nicht erwartet.
"Und Morgen möchte ich noch ein bisschen den Berg hinauffahren, und dann bis Göschenen mit der Bahn auf die andere Seite." "Nicht´s leichter als das! Kommen Sie ich gehe mit Ihnen an den den Automaten, dann lassen wir das Ticket für Sie und Ihr Velo raus!" 
Ja wo bin ich denn? 
In der Schweiz!!
2 Minuten später habe ich meine Tickets. Der nette Bahnbeamte nutzt die Gelegenheit, um vor die Tür zu gehen, um eine zu rauchen ( das nennt man auch Win-Win-Situation) und ich bin völlig geplättet.
Könnt Ihr jetzt verstehen, warum ich den 8.August zum Tag des Netten-Schweizers, und der Schweizer Radwege erkläre!
(Hoffentlich war das nicht voreilig, denn ich werde ja noch ein paar Tage in der Schweiz Radfahren)

Schaut Morgen wieder rein, dann erfahrt Ihr, wie es mir in der Schweiz weiter ergeht!
Eine geruhsame Nacht!

Ach so: Noch eine kleine Gedächtnisübung für Euch! 

Wer mir Morgen noch - auswendig - und in der richtigen Reihenfolge sagen kann, wie die 3 Orte heißen, die ich  besucht habe, bzw. noch besuchen werde, bekommt einen Schoggi!

ARONA- ASCONA-AIROLO

(dafür habe ich mehr als die letzten 2 Tage gebraucht um die Orte auseinander zu halten)

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